Stützle, Vinzenz [1106]
- Geboren: 21 Jan. 1827, Dürnau, Buchau, Württemberg, Germany
- Gestorben: 13 Jan. 1895, Leutkirch, , Württemberg, Germany im Alter von 67 Jahren
Allgemeine Notizen:
Dr. Max Flad, ein Neffe des allseits bekanten Jordanbad-Arztes Dr. Johann Nepomuk Stützle, hatte anläßlich des 100.ten Todestages seines Großonkels das vorliegende Manuskript zur Biografie des Geistlichen für die "Schwäbische Zeitung" Leutkirch erstellt. Die "Schwäbische Zeitung" Leutkirch/Isny/Bad Wurzach veröffentlichte einen darauf basierenden Artikel am 13.01.1995.
BIOGRAPHIE: Zum Gedenken an Vinzenz Stützle (1827 - 1895) Stadtpfarrer in Leutkirch (1877 - 1895) Elternhaus und Ausbildungsjahre Aus einem alten oberschwäbischen Geschlecht, das sich bis zum Jahr 1435 im Umland von Saulgau nachweisen läßt und welches bis zur Säkularisation drei der zwölf Abteimaierhöfe des gefürsteten Damenstiftes Buchau inne hatte, stammte Vinzenz Stützle, der über eineinhalb Jahrzehnte Stadtpfarrer in Leutkirch war. Seine Wiege stand in Dürnau, einem Pfarrdorf, das in der Mitte zwischen Buchau und Saulgau gelegen ist. Hier besaßen seine Eltern eine Land- ubnd Gastwirtschaft als Lehen des Fürsten von Thurn und Taxis. Als fünftes Kind von Johann Nepomuk Stützle und seiner Frau Maria Anna, geborene Buck, erblickte Vinzenz am 21. Januar am 21. Januar 1827 das Licht der Welt. Einfügung: Eine Schwester von J.N. Stützle namens Anna Maria war verheiratet mit J. Schilling, Hirschwirt in Kanzach. Ihr Sohn Andreas, der aus Gesundheitsrücksichten (Lungenleiden) lebenslang Kaplan des v. Pflummer'schen Stifung, Biberach, blieb, veröffentlichte u. a. "Die Reformation in Biberach nach den Handschriften des Weltpriesters Heinrich von Pflummern", ferner "Die religiösen und kirchlichen Zustände der ehemaligen Reichsstadt Biberach, unmittelbar vor Einführung der Reformation. *1827 + ca 1919 ?? Seinen Vater bezeichnet der Dürnauer Chronist F.X. Müller als " handels,- jagd- und baufreudig." Er trieb zusammen mit seiner Frau nicht nur seinen Hof und die Wirtschaft "zum Goldenen Kreuz" um, sondern erbaute ein neues Gasthaus, ebenso ein Pfründnerhaus (1862) und eine weitere Wirtschaft, die zuerst er (1856) und dann einer seiner Söhne (Peter) umtrieb. Darüber hinaus betätigte er sich mit dem Handel von Pferden und der Vermittlung von Grundstücken. Der Dürnauer Kreuzwirt muß ein tüchtiger Geschäftsmann gewesen sein. Seine Ehe war mit 15 Kindern gesegnet, von denen 5 Buben und 6 Mädchen die damals so gefürchteten Krankheiten in den ersten Lebensjahren überstanden. Drei Kinder wandten sich einem geistlichen Beruf zu, zwei Töchter traten in das Franziskanerinnenkloster Maria Dilligen Mödingen ein, ein Sohn -Vinzenz- wird Kleriker. Bei der goldenen Hochzeit der Eltern im Jahr 1869 konnten noch acht Kinder samt 14 Enkelkinder an diesem Fest teilnehmen. Wohl auf Grund guter schulischer Leistungen wurde Vinzenz im Alter von 12 Jahren, also relativ spät, nach Buchau auf die Präeptoratsschule geschickt, von der er dann zwei Jahre später ans Gymnasium in Ehingen überwechselte. (Hier könnte er seinen Ertinger Landsmann Michael Buck (1832 - 1888), den späteren Arzt, Dichter und Landeskundler getroffen haben, der nach Besuch der Biberacher Lateinschule ab 1848 ebenfalls das Ehinger Konvikt besuchte.) Anschließend bildete er sich im dortigen Konvikt weiter. Seine Studien- und Priesterausbildung beendete Stützle an der Universität Tübingen im Wilhelmstift. Die Studienjahre fielen in eine unruhige Epoche. Erinnert sei an das Revolutionsjahr 1848, in welchem nicht nur die Bauern von allen Feudallasten frei wurden, sondern auch die katholische Kirche größere Freiheiten errang. Die Verhältnisse in dem überwiegend protestantischen Königreich Württemberg waren in jener Zeit noch stark vom Staatskirchentum geprägt. Erst nach 1848 konnten kirchliche Vereine gegründet, weibliche - jedoch nicht männliche Orden sich in der Rottenburger Diözese niederlassen und katholische Zeitungen ins Leben gerufen werden. Noch bei der Würzburger Bischofssynode (1848) beklagte sich Bischof Dr. Lipp bitter über die Unterdrückung der katholischen Kirche in Württemberg.
Unstete Jahre als Vikar, Erzieher und Pfarrverweser (1854 - 1868) Im Sommer 1854 wurde V. Stützle in Rottenburg zum Priester geweiht. Er war damals 27 Jahre alt. Die Primiz in seinem Heimatort gestaltete musikalisch ein Gesangverein, der sich kurz vorher aus Anlass dieser Feier gebildet hatte. Seine erste Stelle als junger Vikar trat der Neupriester dann in Ulm an. Es ist unbestimmt, was V. Stützle nach zwei Jahren seelsorgerischen Wirkens veranlaßte, der (Heimat) Diözese Rottenburg der Rücken zu kehren. Der Familientradition nach soll eine Priesterüberschuß im Bistum der Grund gewesen sein. Auf jeden Fall finden wir ich ab November 1856 als Erzieher beim Grafen Ferdinand von Attems in Linz an der Donau. Die gräfliche Familie, die zuerst hier und später in Graz wohnte, hatte zwei Söhne, deren Ausbildung dem jungen Geistlichen aus Schwaben anvertraut wurde. Mit ihnen unternahm er u. a. auch mehrere Bildungsreisen, die ihn und seine Zöglinge in die großen Städte von Deutschland, Belgien, Holland, Italien, England und Frankreich f¼hrten. In Graz, der Hauptstadt der Steiermark besaß die Familevon Attems den "bedeutendsten Barockpalast der Stadt". Es ist als sicher anzunehmen, dass das Leben in diesem gräflichen Haus un der gesellschaftliche Verkehr, der hier herrschte, den jungen Stützle stark beeinflußt und beeindruckt haben. Graf Ferdinand scheint mit den Leistungen des Hauslehrers -Hofmeister genannt- zufrieden gewesen zu sein, denn zum Abschied nach siebenjähriger Tätigkeit setzte er ihm eine lebenslängliche Pension von 1200 Goldmark aus. Die zwei ihm anvertrauten Söhne hingen "mit zarter Liebe und Dankbarkeit " sehr an ihrem Mentor". Im Jahr 1863, als sich im Bistum Rottenburg Priestermangel bemerkbar machte, wurde V. Stützle wieder zurückgerufen und zuerst als Vikar in Neuhausen und später als Pfarrverweser in Horgen, Wellendingen, Winterstettenstadt, Böttingen, Mahlstetten, Stetten und Denkingen eingesetzt.
Pfarrer in Altheim, Oberamt Horb (1868 - 1877)
Nach dieser unruhigen Zeit als Wanderer von einem Ort zum anderen, venen die meisten in der Landschaft am oberen Neckar un auf dem Heuberg lagen, bekam Stützle die Pfarrei Altheim im O.A.Horb zugewiesen, wo am 22. Januar 1868 seine Investitur stattfand. In diesem Dorf mit nahezu 1000 Einwohnern fand er, 41-jährig, eine kleine frühromanische Kirche vor, welche für die im 19. Jahrhaundert stark angewachsene Bevölkerung nicht mehr ausreichte. Unverzüglich ging der junge Ortsgeistliche mit großem Eifer daran, die kleinbäuerliche Einwohnerschaft für einen Neubau zu gewinnen. Die Pläne hierzu fertigte Oberbaurat von Morlock, ein bekannter Architekt, auf den u.a. auch der Erweiterungsbau des alten Stuttgarter Bahnhofs (1863/64) un die Lauchheimer Stadtkirche zurückgehen. Die Grundsteinlegung zu der neugotischen Kirche, die lange Zeit als "Kathedrale des Schwarzwaldes" gerühmt wurde, erfolgte eineinhalb Jahr nach Aufzug von V. Stützle am 17. Juni 1869. Am gleichen Tag wählte das Domkapitel von Rottenburg, nach dem Tode von Bischof Dr. Lipp, den Kirchenhistoriker Professor Dr. Josef Hefele zum neuen Bischof. Der Voranschlag zum Bau der Kirche wies den stattlichen Betrag von 50000 Gulden auf. Diese hohe Summe war mit der Grund, dass der besorgte Pfarrer Stützle jeden Tag auf der Baustelle weilte. Nach den Aussagen älterer Altheimer Bürger habe er bei der Beaufsichtigung des Baumaterials jeden ihm untauglichen erscheinenden Buntsandsteinquader zurückgewiesen. Das Bauunternehmen sei darob in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Nach Altheim, wo ihn seine Schwester Barbara den Haushalt führte, nachdem sie schon auf allen Pfarrverweserstellen bei ihm war, kam nach dem Tod von J.N. Stützle auch die Pfarrmutter. Als sie hochbetagt verstarb, wurde ihr Leichnam in einem mit Pferden bespannten Wagen nach Dürnau überführt. Bemerkenswert ist noch, dass Pfarrer Stützle längere Zeit während seiner Altheimer Jahre das Amt des Kämmerers im Landkapitel Horb ausübte.
V. Stützle als Stadtpfarrer in Leutkirch (1877 -1895) Nach neunjährigem Wirken am Schwarzwaldrand bekam Pfarrer Stützle von Bischof Dr. L. J. Hefele am 24. Mai 1877 die Stadtpfarrstelle Leutkirch mit ihrem großen Sprengel übertragen. Von dem erst in den Jahren 1843/44 neuerbauten Pfarrhaus aus wirkte er segensreich 17 Jahre lang. Seine Jahre im Allgäu fielen am Anfang in den von Preußen ausgehenden Kulturkampf, der auch in Württemberg die Gemüter sehr erhitzte. Leutkirch, die alte Reichsstadt, die nach der Übernahme der evangelischen Konfession (1546) lange, d.h. bis nach Ende des alten Reiches , nur 25 katholische Familien in seinen Mauern geduldet hatte, war auch noch in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts im Kern evangelisch. Von ökumenischer Zusammenarbeit wurde damals weder auf evangelischer noch katholischer Seite gesprochen. Die Gegensätze waren nach den Dogmen von der unbefleckten Empfängnis Mariens und besonders nach jenen von der Unfehlbarkeit des Papstes im Jahr 1870 groß geworden. Nicht umsonst hatte der Oberhirte von Rottenburg lange gezögert, das neue Dogma von den Kanzeln verkünden zu lassen. Welche Verhältnisse traf der neu aufgezogene Geistliche in dem Landstädtchen Leutkirch, das damals etwa 2800 Einwohner zählte, an? Bereits seit 1872 war es möglich, den Ort mit der Eisenbahn von Aulendorf her zu erreichen. Die Bahnlinie nach Isny war ebenfalls vollendet, nur die Verbindung über die Grenze ins benachbarte Ausland nach Memmingen ließ noch bis 1889 auf sich warten. Eine Trinkwasserversorgung mit Anschlüssen in den Häusern gab es noch nicht. Auch im Pfarrhaus muŸte das Wasser zu Waschen und Kochen von einem laufenden Brunnen geholt werden, der unweit eines Waschhauses stand. Ebenso mangelhaft war es mit der Beleuchtung bestellt, die Elektrizität erreichte die Stadt erst 1898. Nach diesem Zustandsbericht sei darauf eingegangen welche Persönlichkeiten Stadtpfarrer Stützle in Leutkirch antraf. Auf dem Rathaus regierte seit 1875 Jakob Blaich, der in diesem Jahr seinen Vater, den Stadtschultheißen Wilhelm Blaich ablöste. Mit ersterem saŸ V. Stützle als Vorsitzender in der Studienkommission, die darüber entschied, ob ein Drittkläßler in die Latein- oder Realschule aufgenommen wurde. Nahezu 50 Jahre stand die Schultheiß-Dynastie Blaich der Stadt vor. Bekannt ist der Name dem Menschen von heute vor allem durch Dr. Hans Erich Blaich, Arzt, Dichter und Schriftsteller, geboren 1873, der unter dem Pseudonym "Dr. Owglaß" schrieb. Seine Jugenderinnerungen "Träumereien über einem alten Merian" schildern Begebenheiten aus der Zeit, als V. Stützle in Leutkirch weilte. Ein Mann, der sich viel Mühe um die Erforschung der Stadt Leutkirch gemacht hat, war der aus Lüttvesberg bei Wuchzenhofen stammende Buchbinder und Buchhändler Rudolph Roth. Von 1869 bis 1873 gab er die "Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Leutkirch und der Leut - Heide" in einzelnen Heften heraus. Gedruckt wurde diese Veröffentlichung bei Johann Holstein, dem Herausgeber des "Allgäuer Boten". Unter den Leutkircher Honoratioren wäre ferner der Posthalter Fritz Möhrlin (1837 - 1892) zu nennen, ein außerordentlich ideenreicher Mann, der in Hohenheim Landwirtschaft studiert hatte. Nach Tätigkeiten in Karlsruhe und Verwaltung eines großen Gutes kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo er u.a. den Spar- und Vorschußverein, die heutige Volksbank, gründete und viele Initiativen im tierzüchterischen und genossenschaftlichen Bereich ergriff. Besondere Verdienste erwarb er sich als Autor einer ganzen Reihe volkstümlich geschriebener Bücher, mit denen es ihm gelang, den Fortschritt in der breiten Landwirtschaft zu fördern. Zurück zu Stadtpfarrer Stützle. Was hat er alles in der Pfarrei Leutkirch und den Filialkirchen im Umland in die Wege geleitet? Nach seinem Tod wurde im "Allgäuer Volksfreund" hervorgehoben, daß er sich tatkräftig und unermüdlich bemüht habe, die Beziehungen der beiden Konfessionen in der Stadt nach dem Grundsatz "friedlich - schiedlich" zu gestalten. Mit dem ihm eigenen klaren und praktischen Blick habe er an der Ausscheidung des katholischen Kirchenvermögens einen hervorragenden Anteil und die Kirchengemeinde habe allen Grund, ihm in dieser Beziehung ein dankbares Gedenken zu bewahren. Ein weiteres Anliegen von ihm war die Verschönerung der Stadtpfarrkirche und der Filialkirchen. In Leutkirch wurde das Gotteshaus bei der Restaurierung 1883 neu ausgemalt, ebenfalls erhielt es neue Beichtstühle und Fenster sowie an Stelle einer Empore im verachteten "Zopfstil" eine solche in gotischen Formen. Es sei zu dieser Restaurierung angemerkt, daß die Entfernung der Altäre aus der Barockzeit, für welche man im 19. Jahrhundert sehr wenig Verständnis aufbrachte, bereits schon 1848 erfolgte. In diesem Jahr kam ein neuer Hochaltar von Prekle, München, in die Kirche, der bis zur Renovierung im Jahr 1971/72 den Chor beherrschte. Die neugotischen Seitenaltäre wurden 1857 aufgestellt. Schon vor der Renovierung hatte sich Pfarrer Stützle um ein neues Geläute bemüht, zu dem er eine Glocke selber stiftete. Die Rede zur Glockenweihe am 17.Juni 1880 liegt in gedruckter Form vor. Die Glocken wurden von Zoller in Biberach gegossen. Die waren der Muttergottes und den Heiligen Martinus, Stephanus und Sylvester, den Kirchenpatronen von Leutkirch, Niederhofen-Mailand und Tautenhofen geweiht und mit ihren Bildern geschmückt. Leider ging der Wunsch des Redners bei der Weihe der Glocken, daŸ sie "ein Unterpfand des glücklichen Friedens sein möchten für dieses und alle künftigen Geschlechter unser Pfarrgemeinde Leutkirch", nicht in Erfüllung. Ein besonders Anliegen war für V. Stützle die Annapflege, für die er die Vorstandschaft übernommen hatte. Diese "Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder" war 1867 von Barmherzigen Schwestern (Vinzentinerinnen) von Oggelsbeuren aus begründet worden. Zuerst mit 32, dann mit 40 und 1880 schließlich mit 60 Mädchen belegt, waren in dem Fürstenbachschen Schlößchen viele Umbauten erforderlich. Auch der erworbene landwirtschaftliche Gutsbetrieb erwies sich bei der steigenden Zahl von Kindern und Schwestern als zu klein. Unter Stadtpfarrer Stützle wurden 1879 Äcker im Wert von 2000 Goldmark und 1892 eine weiterer Acker erworben. Erwähnt sei noch, dass er im ehemaligen Teehaus des Schlößchens entsprechend der geistlichen Strömungen der Zeit eine Lourdes-Grotte einrichtete. Dass ihm die Annapflege ans Herz gewachsen war, ist aus dem Testament zu ersehen, in welchem er derselben seine Anteilsrechte an der Rud. Rothschen Buchdruckerei, d.h. am "Allgäuer Volksfreund" in Höhe von 4000 Goldmark vermachte. In diesem Zusammenhang muss auf das Zeitungswesen jener Zeit eingegangen werden. In Leutkirch gab es eine seit einem halben Jahrhundert erscheinende, sehr neutral gehaltene Zeitung, die von Buchdrucker Holstein herausgebracht wurde. Im Zeichen der konfessionellen Auseinandersetzungen der damaligen Zeit bemühten sich viele Geistliche, u.a. auch V. Stützle, ein katholisch ausgerichtetes Organ zu begründen. Als Verleger eines solchen Blattes konnte in Leutkirch der Buchdrucker und Geschichtsforscher Roth gefunden werden, der in der ersten Nummer seiner Zeitung "der Allgäuer Volksfreund", dieses Blatt als "unabhängig, jedoch im katholischen Geist redigiert bezeichnete, politisch stehe es auf dem Boden der Centrumsfraktion". Der "Allgäuer Volksfreund" erschien erstmalig am 1. April 1888 in Konkurrenz zum "Allgäuer Boten", dessen Druck 1890 eingestellt wurde. Die Finanzierung der neuen Zeitung hatte eine Aktiengesellschaft ermöglicht, der neben Geistlichen, Lehrer, Ärzte, Kaufleute und wohlhabende Privatiers aus dem ganzen Oberamtsbezirk angehörten. Nicht mehr erlebt hat V. Stützle, wie es im Nachruf heißt, "die Ausführung seines lange gehegten Lieblingsplanes, die Erbauung einer katholischen Kinderbewahranstalt und Industrieschule, zu der er im Herbst vorigen Jahres (1894) in hochherziger Weise reiche Mittel zur Verfügung gestellt hat". Es handelt sich dabei um das Vinzentiushaus, das seit 1895 von Schwestern aus Untermarchtal betreut wird. Zum Bau dieser Näh- und Kinderschule hatte er den Betrag von über 20000 Goldmark gegeben. In seinem Testament hatte er noch verfügt, dass ein Drittel der Zinsen von dem Kapitalvermögen bei der R. Rothschen Aktiengeselllschaft, welche die St. Annapflege erhalten sollte, dem Vinzentiushaus zustehe. In diesem Haus erhielt auch seine Haushälterin Justina Welte aus Niederhofen, die ihn seit 1880 versorgte, ein lebenslängliches Wohnrecht. Sie starb erst 1932. Die letzten zwei Lebensjahre des Geistlichen waren von einer schweren schleichenden Krankheit überschattet, von der es keine Heilung gab. Sorgfältig bereitete er sein Testament vor und bestimmte zu seinem Universalerben seinen Neffen Dr. Johann Nepomuk Stützle, Arzt im Jordanbad bei Biberach, der sein volles Vertrauen genoß und welcher von ihm nach dem frühen Tod seiner Eltern wie ein Sohn gefördert wurde. V. Stützle hatte seine ganze Hinterlassenschaft an seine Verwandten, einige Bekannte und an die Haush¤lterin verteilt. Nichts sollte verkauft oder versteigert werden. Interessant ist es aus dem Inventar zu entnehmen, dass Stadtpfarrer Stützle nicht nur Jäger war, der über mehrere Gewehre verfügte und zahlreiche Hirschgeweihe zu eigen besaß, sondern auch Pferde hielt. Einer seiner Brüder erhielt nämlich eine Chaise mit Geschirr. Auch die Armen beider Konfessionen hat V. Stützle sin seinem Testament nicht vergessen, ebenso nicht die katholischen und evangelischen Schulkinder, von denen die katholischen alle am Beerdigungstag eine große Bretzel à 15 Pfennige bekommen sollten. Eine gewöhnliche kostete damals 3 Pfennige. Kennzeichnend für die Wesensart des tatkräftigen Pfarrherrn von Altheim und Leutkirch sind in der letzwilligen Verfügung die Sätze: " Sollte eines meiner Geschwister oder deren Kinder sich durch Unzufriedenheit oder Schimpfen oder durch Angriff oder auch Versuch des Angriffs auszeichnen, soll es von dem Betreff seines Erbteils...... * (ausgeschlossen werden?)
Bekannte Ereignisse in seinem Leben waren:
• Beruf: Vikar, 10 Aug. 1854, Ulm.
• Beruf: Stadtpfarrer, 24 Mai 1877, Leutkirch.
|